Die Kolonien ihrer Majestät

Textschnipsel

Alice stand vor dieser Tür und legte ihre Hand vorsichtig auf den Griff. Ein Teil von ihr wollte durch diese Tür gehen, während der andere einfach nur flüchten wollte. Ihre Füße waren aber einfach auf dem Boden festgewachsen, es war ihr nicht möglich, sich in die eine oder andere Richtung zu bewegen. Sie blickte sich um, irgendwann würde man sie hier sehen und dann würde man fragen stellen. Ein tiefer Atemzug noch und bevor sie sich das Ganze noch einmal ausreden konnte, merkte sie schon, wie sie an der Tür geklopft hatte. So zögerlich aber das man es vermutlich kaum gehört hatte. Der Teil, der flüchten wollte, wünschte sich das man es nicht gehört hatte. Sie hörte die Stimme auf der anderen Seite die sie hereinbat, doch ihre Hand war noch immer nicht in der Lage den Griff der Tür nach unten zu drücken.
Schließlich als sie sich selber endlich soweit hatte, da wurde die Tür auch schon geöffnet.
»Alice, hey, mit dir hab ich ja gar nicht gerechnet. Komm rein.« Sprach er sie auch schon direkt an, sie setzte ein Lächeln auf. Eines das sie am liebsten festgetackert hätte, damit es bestehen bleibt und welches nicht einmal von der Hälfte ihrer Gesichtszüge unterstützt wurde.
Charles schaute sie an und musterte sie einen Moment. »Hey, alles ok?« Er lies sich wieder in seinen Sessel fallen, vor ihm lag ein Buch auf dem Tisch. Alice folgte ihm in den Raum und schloss die Tür hinter sich, doch statt ihm weiter zu folgen lehnte sie sich gegen die Wand.
»Es geht so. Charles also« sie stoppte, wie sollte sie es ihm sagen. Sie blickte ihn an und schaute ihm direkt in die Augen. Dieser Blick, dieses Lächeln. Es war einfach gemein, wie konnte sie ihm das sagen, was auf ihrem Herzen lag, was dieses in die Welt hinausschrie, aber bisher es keiner gehört hatte. Vor allem hatte er es nicht gehört und wenn doch dann hatte er bisher nichts dazu gesagt.
»Hey komm setz dich doch, was ist los mit dir Alice? Wieder Stress mit deiner Tante?«
Langsam setzte er sich auf und schaute sie ruhig an, ihre Arme hatte sie vor der Brust verschränkt. Obwohl sie gegen die Tür gelehnt war, stand sie dort, als wenn sie total angespannt wäre, und in der Tat war jeder Muskel in ihrem Körper komplett angespannt. Ihre Hände drückten leicht ihre Oberarme zusammen und sie lehnte sich nur gegen die Tür um diese nicht aufzureißen und wegzulaufen.
Charles schaute sie mit seinem typischen Lächeln an, einem Lächeln, das jeden entwaffnen konnte. Sie liebte dieses Lächeln, es konnte ganze Polarkappen schmelzen lassen.
Mit einem Satz war er wieder aufgestanden und stellte sich direkt vor sie. Während er auf sie zukam, wollte sie ihn fast bitten, stehen zu bleiben, aber obwohl sie den Mund aufmachte, um etwas zu sagen, kam einfach kein Wort über ihre Lippen.
Er stützt sich mit seinem Arm direkt an der Tür ab, seine Hand berührte das Holz direkt neben ihrem Gesicht.
»Na komm schon, was ist los. Du kannst es mir sagen, ich bin dein Freund.«
Alice blickte ihm erneut tief in die Augen und seufzte leicht, wieso musste er so gut riechen, wieso musste er sie mit diesem Blick ansehen.
»Charles, ich also, ich muss dir was sagen« murmelte sie, diese Worte rauszubekommen war schon schwer genug gewesen. Wieso konnte er nicht einfach wissen, was sie sagen wollte und was noch schlimmer war, wieso wusste sie einfach nicht, wie er reagieren würde.
Ein Teil in ihr wusste genau, wie er reagieren würde, diese Tatsache wollte sie aber einfach nicht sehen, nicht wissen.
»Na dann ich hör dir zu Schätzchen« Es gab eine Zeit, da hatte sie es geliebt, wenn er sie so nannte, nun war sie nicht sicher, ob es gut war.
Wieder öffnete sie den Mund, ohne das ein Wort raus kam und wieder war seine Nähe gerade nur zum Teil hilfreich.
Statt nun aber ein Wort zu sagen, löste sie den Knoten in ihren Armen und legte ihre Hände an seine Wange. Bevor er wusste, was passierte, zog sie sein Gesicht zu sich und küsste ihn einfach.
Überrascht davon das sie ihn einfach küsste, erwiderte er im ersten Moment diesen Kuss. Es war nicht ihr erster Kuss, dieser lag schon einige Jahre zurück und doch fühlte Alice, wie die Schmetterlinge in ihrem Bauch wieder richtig krach machten.
Langsam löste sie ihre Hände von seinen Wangen und wollte sie gerade um seinen Hals wickeln, als er nach ihren Händen griff und sich von ihr löste. »Wow, Alice. Das ist keine gute Idee.« Stoppte er sie und schaute ihr in die Augen.
»Charles ich bin in dich verliebt« als die Worte endlich draußen waren, glaubte sie, ein großes Gebirge löste sich langsam von ihrem Herzen. Die Worte waren aber so schnell aus ihr raus gekommen, dass Charles noch einen Moment brauchte um die Worte, die Reinfolge der Worte und den Sinn der ganzen zu verstehen.
»Oh Schätzchen« er lies ihre Hände los und trat einige Schritte zurück. Sein Blick senkte sich in Richtung Boden, er drehte ihr den Rücken zu und atmete erst mal mehrfach tief ein.
Alice blickte ihm nach und seufzte ebenso. Auf einmal waren ihre Schuhe wirklich sehr interessant anzusehen, sie konnte ihren Blick nicht mehr lösen von ihren Schuhen. Schwarze Designer Schuhe, die sie geschenkt bekommen hatte, sie waren schick, bequem aber zum Wegrennen komplett die falschen gewesen.
Charles drehte sich wieder zu ihr und schaute sie direkt an, auch wenn sie diesen Blick nicht erwidern konnte. Seine Stimme transportierte alles, dass was sie glaubte, in seinen Augen sehen zu können, würde sie dort hinein sehen.
»Alice, ich hab dich echt gerne, ich hab dich lieb. Wir hatten in der Vergangenheit einigen Spaß miteinander. Doch mein Herz hab ich bereits an eine andere Frau verschenkt.« Alice nickte leicht, sie hatte es geahnt. Die Blicke, welche die beiden sich zugeworfen hatte, die Tatsache das er soviel weniger Zeit für sie hatte und das er immer öfters bei Spielen an ihrer Seite gewesen war.
»Es ist Jocelyn, stimmt es?« Sie hob nur leicht den Blick und sah, wie er nickte.
Daraufhin schloss sie erst einmal die Augen, das war etwas, was sie nicht wissen wollte.
»Ich dachte, du empfindest ebenso für mich. Ich dachte, du liebst mich auch. Du hast mir so oft gesagt, wie toll du mich findest, wie gerne du mit mir Spaß hast.«
»Ja ich habe dich lieb, ich fand den Spaß, den wir hatten toll und du bist eine hübsche, liebenswerte junge Frau aber ich liebe nun einmal sie. Das kann man sich nicht aussuchen.«
Ein schwerer Klumpen rutschte ihre Speiseröhre runter.
»Kann ich nichts tun, um dein Herz zu erobern? Ich will dich, ich brauche dich, bitte.«
Charles ging auf die zu und zog sie in seine Arme. Sie verstand diese Geste, aber direkt falsch und versuchte, ihn erneut zu küssen.
»Nein Alice, das ist nicht das Richtige zwischen uns. Ich hab dich lieb aber ich Liebe dich nicht so wie ich sie Liebe. Wir waren mehrfach miteinander im Bett, weil wir beide frei und ungebunden waren. Da waren keine Gefühle im Spiel zwischen uns.«
»Ich habe dich schon immer geliebt Charles, das ändert nichts. Wir können immer noch miteinander ins Bett.« Murmelte sie und versuchte ihn wieder zu küssen. Wie eine Person die kurz vorm Ertrinken stand, hielt sie sich an ihm fest. Er war ihre Rettung, nur er konnte ihr weiterhelfen, nur er konnte sie befreien.
»Stopp, hör auf. Wenn Gefühle im Spiel sind, dann kann ich das nicht mehr. Ich dachte, wir haben etwas Spaß miteinander. Na ja Freunde die halt etwas mehr miteinander machen wie normale Freunde aber kein Paar, das sich liebt. Alice, ich will dir nicht unnötig wehtun.«
Alice löste sich wieder von ihm und schaute ihm in seine Augen, so tiefe schöne Augen die er hatte und in die sie so gerne hinein schaute.
»Es tut mir leid, ich…. es tut mir leid« flüsterte sie so leise, dass er es kaum hören konnte.
Eine Träne lief ihr über die Wange, gefolgt von der nächsten. Schnell wischte sie sich diese weg und schob ihn ihrerseits von sich.
»Es tut mir leid, dann sollten wir nicht mehr miteinander reden oder Zeit verbringen.«
Sie drehte sich um und wollte gerade die Tür aufreißen, als er sich mit der Hand dagegen lehnte und sie so blockierte.
»Hey, komm wir sind immer noch Freunde.«
Alice drehte sich halbwegs zu ihm um und versuchte noch einmal, mehr schlecht als recht zu lächeln.
»Immer wenn ich dich sehe, denke ich daran, was ich mit dir hätte haben können. Wenn ich an dich denke, träume ich von einer gemeinsamen Zukunft und ich denke ständig an dich. Immer wenn wir etwas unternehmen, werde ich mich fragen, was habe ich falsch gemacht. Was hätte ich tun müssen, damit du mich willst und nicht Sie. Ich habe diese Fragen im Kopf und es wird keine Antworten geben.«
Während sie sprach, löste er sich von der Tür und schaute sie direkt an, aber seine Schultern lies er fallen und seufzte tief.
»Alice es tut mir leid.«
»Das weiß ich doch Charles, ich weiß es. Ich will aber nicht mehr warten auf deine Nachrichten. Deine Einladungen oder das du zu mir kommst. Ich möchte nicht mehr warten auf dich, wenn ich weiß, dass ich dich niemals haben werde. Ich kann nicht.«
Charles wollte gerade etwas sagen, aber da riss sie nun doch die Tür auf und stürmte hinaus. Er konnte noch sehen, dass sie erneut Tränen in den Augen hatte, für den ersten Moment wollte er ihr nachlaufen. Er blieb aber einfach stehen und schaute ihr nach, wie sie den Flur entlang lief und die Treppe nach unten stürmte. Er fürchtete, dass sie sonst nur noch schneller laufen würde und dann stürzen. Das wollte er nicht riskieren.

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