Sonstiges

Schreibübung – Verschiedene Perspektiven

Ich-Perspektive

Ich hatte den ganzen Tag darauf gewartet, endlich würde ich ein Teil des Cirkels werden, würde aufgenommen werden in ihre heiligen Reihen. Ich würde endlich eine von Ihnen werden und das ganz offiziell. Meine Mutter hatte mich schon auf diesen Tag vorbereitet gehabt und daher wusste ich genau was auf mich zu kam. Ich war dennoch so fürchterlich aufgeregt gewesen. Ich zuckte unweigerlich zusammen als die Tür geöffnet wurde und man mich in die große Halle bat. Waren die anderen genauso aufgeregt wie ich?
Ich hörte eine Stimme und erkannte sie als die Stimme meiner Mutter, sie klang aber in diesem Augenblick irgendwie anders.
Ich trat vor sie und damit in den Kreis der Anwesenden. Hinter mir wurde der Kreis geschlossen und ich spürte ihren Blick auf meinem Körper. Was wäre wenn ich in dieser Aufgabe scheitern würde? Ich wusste nicht ob meine Mutter mir das je verzeihen konnte oder ob ich mir das je hätte verzeihen können. Meine Mutter blickte mich musternd an und erkundigte sich ob ich gewillt war den heiligen Eid abzulegen.
Mein nicken reichte ihr fürs erste als Bestätigung, ich würde gleich aus dem heiligen Kelch trinken, dann meinen Eid aufsagen und danach erfahren welche besondere Gabe die Götter für mich vorgesehen hatten.
Der Kelch wurde mir an die Lippen gehalten und ich nahm einen Schluck, es schmeckte sehr bitter. Was war das nur für ein scheußliches Getränk gewesen, ein wenig wurde mir davon schwindelig und die anderen waren für mich nur noch verschwommen sichtbar. Nun forderte man mich auf den Eid abzulegen.
„Ich bin Lilliana, Tochter des Hades und der Hekate, geboren von Evanda. Ich schwöre hiermit das ich je Frau in diesem Kreis als meine Schwester ansehen will, jede Mutter als meine Mutter und jedes Mädchen als meine Tochter. Ich schwöre das ich mich an die Regeln der sterblichen halten will, ich werde nicht gegen die Natur eingreifen, ich werde die heilige Mutter Erde respektieren und hüten. Niemals soll meine Gabe eingesetzt werden um einer anderen Seele ob in Mensch oder Tier zu schaden. Sollte ich meinen Eid brechen kann jede Frau Hand an mich legen und muss dafür keine Strafe erwarten. Ich schwöre dies bei allem was mir heilig ist.“
Ich hatte den Eid gerade fertig gesprochen als plötzlich alles schwarz um mich wurde.

Dritte Person Perspektive

Den ganzen Tag hatte man sie gewartet, nun war es soweit und sie würde in den Cirkel aufgenommen werden. Sie würde endlich ein Teil werden von dieser Gemeinschaft. Ihre Mutter hatte sie auf diesen Tag vorbereitet und daher wusste sie genau was auf sie zukam. Natürlich war sie dennoch fürchterlich aufgeregt gewesen. Als die Tür geöffnet wurde damit sie in die Halle tretten konnte, zuckte sie unweigerlich zusammen. Sie fragte sich ob die anderen ebenso aufgeregt gewesen waren, obwohl es für die anderen nun vermutlich keinen Grund gab. Sie trat in den Kreis der Anwesenden unter ihnen war ihre Mutter, die sie nun direkt ansah. Sie spürte die Blicke der anderen auf ihrem Körper. Soviele Fragen gingen ihr durch den Kopf und alle nährten nur ihren zweifel. Nun wurde ihr die wichtigste Frage gestellt von ihrer Mutter höchstpersönlich, ob sie gewillt war den Eid abzulegen. Sie blickte in die Runde und nickte dann zur Bestätigung, gleich wurde ihr der heilige Kelch an den Mund gehalten. Sie nahm einen Schluck und verzog kurz das Gesicht, es war ein bitterer Nachgeschmack den dieses Getränk hatte.
Sie hatte den Eid schon vor langer Zeit auswendig gelernt, genau für diesen Augenblick. Der Nachgeschmack des Getränks lies langsam nach, dafür wurde ihr leicht schwindelig. Nun begann sie den Eid aufzusagen, als sie diesen fertig aufgesagt hatte wurde ihr schwarz vor Augen und sie sank bewusstlos zu Boden.

 

Der Allwissende Erzähler

Ruhig saß die junge Frau in dem Vorraum zur großen Halle, das sie nervös war konnte man ihr nicht direkt ansehen aber angesichts dessen was ihr bevorstand erahnen. Der kleinen sollte heute ein großer Traum in Erfüllung gehen. Ab dem heutigen Tage würde sie endlich zum Cirkel dazu gehören, sie wäre dann eine von Ihnen. Es bedeutete ihr soviel und ihrer Mutter vermutlich noch mehr, diese war die Hohepriesterin des Cirkels gewesen. Die junge Frau trug das klassische weiße Gewand einer Novizin, ihre Mutter hatte alles für sie vorbereitet und auch sie auf diesen Tag vorbereitet. Wie oft hatte die Mutter mit ihr zusammen den Eid geübt bis sie ihn Fehlerfrei aufsagen konnte, es hatte Mutter und Tochter einander noch näher gebracht. Die Tür zur Halle wurde ruckartig geöffnet, dies führte dazu das die kleine unweigerlich zusammen zuckte. Langsam trat sie in den Kreis und schaute zu der älteren Version ihrer Selbst, ihrer Mutter. Der Kreis schloss sich um sie herum und die Mitglieder des Cirkels blickten sie musternd an, dies war das neuste Mitglied des Cirkels und in jedem der Köpfe formulierte sich die ein oder andere Frage.
Ihre Mutter blickte sie musternd aber mit Stolz geschwollener Brust direkt an. „Bist du bereit den Eid zu leisten meine Tochter aus freien Stücken ohne das dich jemand gedrängt hat?“ Jede Novizin wurde genau diese Frage gestellt und auch wenn jeder wusste das die kleine die Tochter der Hohepriesterin war und im Grunde feststand das sie zum Cirkel gehören würde seid dem Tag ihrer Geburt, so musste sie ebenso genau die selbe Frage gestellt bekommen wie alle anderen auch.
Die Tochter antwortete ihr aber nur mit einem nicken, dies reichte der Mutter aber vollkommen aus.
Der Kelch wurde nun herumgereicht bis er bei der Frau angekommen war welche direkt neben der Hohepriesterin gestanden hatte, sie führte den Silbernen Kelch an den Mund der Novizin. Keine Novizin durfte den Kelch anfassen, dies war erst gestattet wenn sie den Eid und den damit verbundenen Test abgelegt hatte.
Die Novizin nahm einen Schluck und verzog kurz das Gesicht, den das Getränk hatte einen bitteren Nachgeschmack. Sie fragte sich wieso das Getränk so einen scheußlichen Geschmack haben musste und warum ihr aufeinmal so schwindelig wurde. Die Hohepriesterin sah ihre Tochter mit einem sanften Lächeln an und deutete ihr mit einer Handbewegung an das sie loslegen könnte. Langsam trug die kleine den Eid vor, sie sprach dabei laut und deutlich damit es jeder hören konnte. Der Schwindel in ihrem Kopf hatte dabei aber keinen Einfluss darauf, vielleicht gerade weil sie sich auf diese Worte so sehr konzentrierte.
Nachdem das letzte Wort des Eides über ihre Lippen gekommen waren, sah sie ihre Mutter etwas hilflos an. Ihr wurde aufeinmal schwarz vor Augen und kurz darauf verlor sie auch schon die Besinnung. Sie sank bewusstlos zu Boden, die anderen blickten alle mit einem Lächeln auf den Lippen auf sie hinab.

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